Schauspielerin Hilde Dalik im Interview mit DISTRICT15

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DSITRICT15 hat die bekannte Theater und Filmschauspielerin Hilde Dalik in der Meierei Liechtenstein getroffen. Im Interview erzählt uns die ehemalige Gießhüblerin über ihre aktuellen Projekte, wie sie sich in der momentanen Flüchtlingssituation engagiert und wo sie ihre Erholung findet.

Welchen Bezug hast du zum Bezirk Mödling?

Naja, ich bin hier – am Gießhübl aufgewachsen und war in Perchtoldsdorf in der Schule. Am Anfang meiner Karriere habe ich auch hier am Liechtenstein bei den Nestroy-Spielen gespielt. Das sind schöne Erinnerungen, aber es war auch oft sehr harte Arbeit. Achja und mein Onkel hatte mal ein Lokal am Perchtoldsdorfer Marktplatz

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Was sind deine Lieblingsplätzchen im Bezirk?

Der Garten meiner Eltern am Gießhübl. Hier kann ich Zeit mit meiner Familie verbringen, bin im Grünen … und Katzen gibt es auch (grins). Da ich ja beruflich sehr viel unterwegs bin, ist das meine Art der Erholung. Leider schaffe ich es viel zu selten hierher.

War es für dich schon immer klar Schauspielerin zu werden?

Nein, eigentlich habe ich mich immer schon auch für Regie begeistert. Im vergangenen Jahr habe ich mit meinem Projekt Romeo & Julia-FREESTYLE, einer Inszenierung mit unbegleiteten minderjährigen Flüchtlingen im Dschungel Wien mein Regie-Debüt gehabt.

Du bist weiterhin in der Flüchtlingshilfe aktiv. Wie kam es dazu?

Man hört soviel in den Nachrichten, aber wir, also meine Theatergruppe und ich wollten uns selber ein Bild machen und sind nach Traiskirchen gefahren. Die Schauspieler die Arabisch und Farsi sprechen sind herumgegangen und haben geschaut und gefragt was die Leute brauchen. Dann haben wir angefangen Listen zu schreiben, mit dem was sie brauchen und ihren Telefonnummern. Das waren im Sommer vor allem Flipflops, jetzt sind es warme Schuhe und Socken, Hosen in bestimmten Größen. Wir haben versucht möglichst konkret zu helfen, mit dem was benötigt wird. Manche stellen einfach Säcke mit Sachen auf die Straße. Das ist natürlich kontraproduktiv auch für die Traiskirchner Bevölkerung, die eh soviel tragen muss. Wir wollten das möglichst geordnet machen um den Müll zu vermeiden. Die Menschen die dort Leben, die Anrainer sind eh so super und engagiert.

Ihr bringt den Leuten also immer nur konkret das was gerade benötigt wird?

Genau- wir packen konkrete Koffer für die Flüchtlinge und deren Familien. Das heißt wir konnten jederzeit auch anrufen und Nachfragen wenn wir uns nicht sicher sind mit den Größen oder so.

Das Theater in der Josefstadt hat uns dann sehr bald unterstützt und uns ein großes Auto mit einem Fahrer zur Verfügung gestellt. Im August sind wir dann fast täglich nach Traiskirchen gefahren. Jetzt im Herbst wollen wir weitermachen im Rahmen des Möglichen. Ich und auch die Mitglieder meiner Theatergruppe müssen wieder unserer Arbeit, Ausbildung etc. nachgehen. Außerdem ist es wichtig nach der ersten Helferseuphorie ist es auch wichtig weiter zu machen und trotzdem stark zu bleiben, denn die Arbeit zerrt auch ziemlich und lässt einen schon gar nicht kalt.

Wie kann man dich bei der Spendensammlung unterstützen?

Da wir gerade dabei sind unseren Theaterverein umzustrukturieren, am besten über meine Facebook-Seite.

Im Zuge unseres Traiskirchen-Projektes haben wir über Facebook Spendenaufrufe gemacht. So habe ich Menschen kennengelernt, die ich vorher nie kennengelernt hätte. Sie haben sich gemeldet und gesagt „hey Hilde, ich hätte 5 Koffer für dich“. Andere habe Geld gespendet und wir haben das Notwendigste gekauft. Dadurch, dass mich die Leute kennen, wissen sie auch dass diese 200 Euro direkt an Bedürftige kommen. Und es war es dann so, dass wenn wir nach Traiskirchen mit 20 Koffern gefahren sind und es kommen 5 Leute mehr als angekündigt fährt man los und besorgt diese 5 zusätzlichen Koffer noch… So ist das, wenn man weiß, diese Leute werden am nächsten Tag von Traiskirchen woandershin gebracht und müssten sonst all ihre Sachen dalassen.

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Was machst du lieber Theater oder TV?

Tatsächlich ist es so, dass ich es als Luxus empfinde verschiedenste Dinge zu machen und habe wirklich das Gefühl, dass das Eine das Andere bereichert. Das war immer so – wenn ich eine Fernsehproduktion gemacht habe und gleichzeitig Theater gespielt habe, so konnte ich bei der einen Sache für die andere etwas lernen. Das ist für mich das Schöne. Denn es lockert auch auf und man stellt sich vielleicht auch andere Fragen, als wen wenn man nur auf eine Sache fixiert ist.

Hast du auch Lieblingsrollen? Lieblingscharaktere?

Nein. Meine Lieblingsrollen sind eigentlich immer die, mit denen ich mich gerade befasse. Man schenkt dieser Rolle dann immer die vollste Aufmerksamkeit. Natürlich hat es auch immer mit dem Rundherum zu tun. Alles was ich tue ist auch immer eine Gemeinschaftsarbeit. Egal ob es jetzt Theater oder Film ist, oder ich selber gerade Regie führe oder mit meiner Theatergruppe versuche zu helfen.. Wenn ich mit vielen verschiedenen Menschen zusammenarbeite, dann macht mich das immer glücklich.

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Was sind deine aktuellen Projekte?

Im Sommer war der Dreh zur Literaturverfilmung des Romans „Maikäfer flieg“ von Christine Nöstlinger unter der Regie von Mirjam Unger. Außerdem bin ich gerade im Theater in der Josefstadt in Felix Mitterer’s „Der Boxer“ zu sehen. Das Stück erzählt die wahre Geschichte des im KZ ermordeten Sinto-Boxers Johann Trollmann.

Im Moment drehe ich auch einen Film der „Hotel Rock’n Roll“ heißt. Das ist nach „Nacktschnecken“ und „Contact High“ der dritte Teil. Es ist dann quasi eine Trilogie zum Thema Sex, Drugs und Rock’n Roll. Der Film hat dieselbe Besetzung wie die ersten beiden Teile. Der Regisseur der ersten Teile, Michael Glawogger, ist tragischerweise im vorigen Jahr in Afrika gestorben. Michael Ostrowski, der mit ihm eng befreundet war, hat sich entschieden den Film trotzdem zu machen und übernimmt die Regie gemeinsam mit Helmut Köpping. Ja und da laufen gerade die Dreharbeiten in der Steiermark.

Kannst du uns etwas über die Handlung verraten?

Es ist ein bisschen im Stil von Hotelkomödien aus den 60ern und 70ern. Ein bisschen so wie die weißen Rössl Geschichten – spielt aber im Heute und ist komplett verrückt – im besten Sinn! . Es ist ein Kinofilm der nächstes Jahr in die Kinos kommen soll.

Das heißt du pendelst gerade zwischen Wien und der Steiermark?

Genau da fahr ich auch hin und her. Tatsächlich war es jetzt ein paar Mal so, dass ich in der Nacht gedreht habe und in der Früh nach Hause gefahren bin, zwei Stunden geschlafen habe und dann ins Theater zur Wiederaufnahmeprobe oder mit meiner Theatergruppe etwas ausgemacht hatte… Es ist gerade sehr viel parallel am Laufen.

Du hast also gleich mehrere große Projekte?

Ja und es kommt immer etwas Neues dazu. Bei unserer Theatergruppe ist es ja so, dass wir nicht nur unser Romeo und Julia Stück weiterspielen sondern wir machen neue Projekte und arbeiten mit verschiedenen Künstlern zusammen. Ich finde es wichtig, dass diese jungen Leute die Möglichkeit haben verschiedene Ausdrucksformen zu lernen. So werden wir mit einem Fotographen einen Fotoworkshop anbieten. Dann gibt es da noch einen Zweig, der heißt Band. Das sind Musiker die teilweise in Traiskirchen noch leben und andere Musiker die auch in unserem Stück mitgespielt haben – sie kommen alle aus Afghanistan, Syrien oder ein Kurde aus der Türkei ist auch dabei.

Und zwischendurch habe ich natürlich auch Castings auf die ich mich vorbereiten muss.

Vielen Dank fürs Interview und viel Erfolg weiterhin!

 

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Author: Oliver Prosenbauer

Oliver Prosenbauer ist Herausgeber des Lifestylemagazins D15TRICT und Eigentümer einer Werbe- und Event-Agentur. Als Genussmensch verbindet er gerne sein Know How als Marketing-Berater und seine Leidenschaft für den guten Geschmack.

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