Maya Hakvoort, der Musical-Star ganz nah

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DISTRICT: Du bist Musicaldarstellerin und gebürtige Holländerin. Wie und wann bist du nach Österreich gekommen?

Maya Hakvoort: Ich bin vor 22 Jahren nach Österreich gekommen, weil ich die Rolle der Elisabeth bekommen habe. Davor war ich schon ein Jahr im Ausland, und zwar in Deutschland. Dort spielte ich die Isabella (Gaudí), dann ist die Elisabeth-Rolle in Wien frei geworden. Ich habe dann meine Sachen gepackt, es war geplant, für ein Jahr nach Wien zu kommen. Allerdings wurde das Stück ein paar Mal verlängert und dann war ich eben 4 Jahre lang hier. Danach habe ich geheiratet und bin hier geblieben.

D: Wann hat es dich nach Brunn am Gebirge verschlagen?

H: Als ich 2002 ein Kind bekommen habe (Joshua) und gemerkt habe, dass mir die Stadt zu viel wird, wollte ich mit der Familie ein bisschen mehr Ruhe um mich herum. Nicht zu viel, einfach ein bisschen. Und wir haben dann begonnen, außerhalb von Wien zu suchen. Letztendlich sind wir in Brunn am Gebirge gelandet.

D: Was schätzt du hier?

H: Ich mag einfach verschiedene Schichten in der Bevölkerung. Es gibt nicht nur reich und es gibt nicht nur arm, sondern es gibt alles. Und genau so wollte ich auch meine Kinder erziehen. Und da fand ich, dass die Ortschaften Mödling, Ma. Enzersdorf und Brunn gut in Frage kämen. Dann haben wir ein Haus gefunden und sind sehr glücklich darüber, hier seit 2012 zu wohnen. Die Kinder haben eine deutliche Struktur, ich habe eine deutliche Struktur, es gibt eine Übersicht an Schulen, aus denen man wählen kann. Super!

D: Du bist berufsbedingt viel unterwegs. Wie geht’s dir da mit deinen Kindern? Vermissen sie dich?

H: Klar. Ich arbeite viel in der Schweiz und viel in Deutschland. Manchmal kann ich die Familie mitnehmen. Als wir in Japan waren, hatte ich alle mit. Ich organisiere das immer mit den Schulen, erkläre, dass ich weg muss und die Kinder gerne mitnehmen würde. Das wird in der Regel auch erlaubt.

D: Also, verstehe ich das jetzt richtig? Monate aus der Schule raus und Monate in Japan in die Schule? Ist dein Mann auch im Gepäck?

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H: Ja, natürlich habe ich meinen Mann auch im Gepäck. Unser kleiner Jason war noch im Kindergarten, also hat es keine Probleme gegeben und für Joshua haben wir ein riesengroßes Paket mit Hausaufgaben bekommen, welche er diese Monate machen musste. Gleich nach der Rückkunft ist er sofort wieder in den Schulbetrieb eingestiegen.

Nach dem Frühstück hat er immer seine Aufgaben gemacht und dann hat er sich mit meinem Mann und seinem jüngeren Bruder Japan angesehen. Ich habe ja gearbeitet.

D: Kurz zurück nach Mödling. Was und wo sind deine Lieblingsplätze in Brunn und im Bezirk Mödling? Wo hältst du dich gerne auf?

H: Gerne im Grünen, weil ich sehr viel mit dem Hund in den Weingärten an der Grenze zu Perchtoldsdorf oder bei der Burg Liechtenstein joggen gehe. Schön finde ich auch die Fußgängerzone in Mödling, den Kernplatz in Brunn und die Burg in Perchtoldsdorf.

D: Wie sieht es derzeit beruflich bei dir aus?

H: Ich habe meine Theaterengagements, wie derzeit in St. Gallen. Dort spiele ich in Don Camillo und Peppone bis Ende des Jahres. Dann kommt die Produktion ins Ronacher (Kooperation mit den Vereinigten Bühnen Wien). Dort spiele ich täglich ab 27.01. Man erkennt mich fast nicht. Ich spiele die 80jährige Gina, die die Geschichte rückwirkend erzählt. Es ist ein entzückendes Musical geworden, das die Einfachheit der Menschen des Dorfes zeigt. Aber auch die Komplikationen zwischen der Religion und der Politik, zwischen dem Pfarrer und dem Lehrer, zwischen Liebe und Hass. Es ist eine schöne Produktion geworden mit einem tollen Cast (Anm.: Ensemble eines Theaterstücks).

D: Mit deinem Programm 4Voices trittst du auch in Brunn auf. Das ist eine Produktion von dir, wie kam es dazu?

H: Im Jahr 2012 habe ich Voices of Musical gegründet und mittlerweile haben wir mehrere Shows im Programm. Das Programm wird immer wieder geändert. Wunderbare Musiker begleiten uns unter der musikalischen Leitung der Rens Newland Band. Meine Kollegen (Marjan Shaki, Lukas Perman, Mark Seibert, Ramesh Mair und Missy May) sind gleichzeitig auch meine Freunde und haben schon viele Rollen auf den großen Musical-Bühnen gespielt.

D: Was wird die Besucher erwarten?

H: Es ist ein Konzert mit einer Mischung aus verschiedenen Musicals. Ich wollte es etwas anders gestalten, wollte mehr als nur die bekanntesten Lieder singen. Aber die Rollen, die uns bekannt gemacht haben, bleiben natürlich nicht aus. Elisabeth kann man nicht auslassen, aber es ist eine Mischung aus neuen Liedern, die man hier noch nicht so gut kennt, in neuen Arrangements, die Einblick in die Vielfalt des Musicals geben.

D: Du bist eine der bekanntesten Musicaldarstellerinnen? Was ist dein Erfolgsmodell?

H: Erstens ist es wichtig, dass du immer gute Arbeit, gute Leistung ablieferst. Ich war nicht damit beschäftigt ein Star zu werden, ich wollte immer sehr gut werden, um meinem Fach gerecht zu werden. Ich hatte das Glück, mit ganz tollen Leuten zu arbeiten – habe aber auch sehr sorgfältig gesucht und versucht Produktionen zu vermeiden, bei denen ich das Gefühl hatte nicht hineinzupassen.

D: Kommen die Leute in deiner Freizeit auf dich zu und bitten um Autogramme?

H: Ja, aber immer mit Respekt. Wenn die Leute kommen, dann immer mit einem schönen Kompliment. Sie sind immer höflich, ich habe noch nie eine lästige Situation erlebt, das finde ich schön. Es würde auch viel zu viel Energie kosten, Starallüren an den Tag zu legen.

D: Deine schönste Rolle? Deine glanzvollste Rolle?

H: Das war schon Elisabeth.

D: War das dein Durchbruch?

H: Ja, klar, absolut. Sunset Boulevard war auch fantastisch zu spielen, aber Elisabeth war schon der große Wurf. Jede Rolle, die ich gespielt habe, hatte ihren Reiz, es war keine Rolle dabei, die ich nicht schön fand. Elisabeth war die intensivste und auch schwierigste Rolle: Du spielst eine Person zwischen 14 und 61 Jahren – mit einem komplizierten Leben – und das in zwei Stunden.

D: Das ist sicher sehr fordernd?

H: Ja, aber ich fand das großartig, sehr toll.

D: Zum Musical gehört ja auch Tanz. Du hast aber meistens Rollen ohne Tanz, wieso?

H: Ich wollte als Kind Tänzerin werden. Habe gemerkt, dass meine Begabung zum Singen größer ist als mein Tanztalent. Dann absolvierte ich die Theaterschule in Amsterdam, wo Tanz, Gesang und Schauspiel auf dem Programm stand. Ich hatte in einem Showprogramm getanzt und auch in Chicago wurde viel getanzt. Doch das Niveau eines Tänzers habe ich nie erreicht. Gesang und Schauspiel waren ausdrucksstärker. In Les Miserables ist wenig Tanz drin, das ist mehr meine Richtung. Natürlich muss man sich gut bewegen können, fit und gesund sein, aber ich habe immer die erzählenden Rollen bevorzugt. In Cats habe ich die Grizabella gespielt, die alte Katze, die Memory singt. Die anderen tanzen den ganzen Abend, ich habe sie dafür bewundert.

D: Anlässlich deines Geburtstages steht eine große Gala an.

H: Ich werde dieses Jahr 50 und habe eine große Gala, bei der ich allen danke, die mich in meinem Leben begleitet haben. Viele werden auftreten und singen, auch Andreas Steppan und natürlich meine Kollegen aus Elisabeth; auch meine deutschen Kollegen werden kommen. Am 17. Oktober werde ich meinen Geburtstag groß im Raimund-Theater feiern.

D: Vermisst du Amsterdam, Holland? Möchtest du wieder einmal zurückgehen?

H: Ja, manchmal vermisse ich schon meine Kultur.

D: Wo sind denn die Unterschiede? Holland gilt ja als sehr liberales Land.

H: Die Leute sind sehr offen und nicht so scheu. Dieses Jahr haben wir mit dem Wohnmobil Urlaub gemacht und festgestellt, dass die Leute, die am meisten miteinander plaudern, aus Holland stammen. Ich mag dieses sonnige Gemüt. Wir sind auch nicht per Sie und wenn, dann nur mit den älteren Leuten. Dadurch haben wir nicht diese Distanz. Das ist keine Unhöflichkeit, das ist unsere Mentalität. Wir sind ein sehr geselliges Land. Hier sind die Leute sehr viel in Gruppen unterwegs, die zusammenhalten. Bei uns ist alles offener, wie der Ozean, wir sind ein Meeresvolk. Wir schauen über den Ozean und möchten wissen, was dahinter ist. Viele Kulturen kommen zu uns und gehen dann auch wieder, aber auch uns zieht es immer wieder in die Ferne.

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D: Das Flüchtlingsthema dominiert gerade die Diskussion. Wie stehst du zu diesem Thema?

H: Die Menschheit muss zuerst sehen, dass etwas gut ist, bevor sie es glaubt. Es war immer schon so, dass die Menschen Angst gehabt hatten, dass jemand kommt, ihnen etwas wegnimmt und sie das Gefühl hatten, dass ihre Existenz bedroht wird. Ich finde es schade, immer vom „Ich“ auszugehen. Wenn wir in ein anderes Land auswandern müssten, eventuell sogar getrennt, wünsche ich mir Familien, die meine Kinder aufnehmen. Man kann erst darüber urteilen, wenn man die Situation umdreht und sich in die Rolle der anderen versetzt. Sie sind zwar alle Flüchtlinge, aber darunter sind Ärzte, Doktoren, Leute, die in ihrer Heimat ein Leben hatten. Die gängige Meinung, dass niemand etwas hat oder kann, stimmt nicht. Das Schicksal dieser Menschen wird durch Idioten bestimmt, die an der Macht sind und denen es egal ist, wie es anderen geht, wie sie darunter leiden. Dann kommen diese Leute zu uns und müssen auch ein neues Leben aufbauen können.

D: Wie engagierst du dich in diesem Bereich?

H: Ich bin im X-Project und gehe ab und zu in Schulen, rede mit Kindern über ihre Integration und erzähle, wie es für mich war, nach Österreich zu kommen.

Daneben engagiere ich mich auch karitativ. Ich bin ja Harley-Fahrerin und fahre auf der Charitytour mit, um Kinder mit Muskelerkrankungen zu unterstützen. Außerdem unterstütze ich die Volkshilfe des Landes NÖ, wo sich Erwin und Sissi Pröll engagieren.

D: Du bist eine Bikerin? Cool! Welche Hobbys hast du noch?

H: Joggen. Überdies reise ich auch sehr gerne. Tennis spiele ich auch, ich muss mich aber noch in Brunn im Verein anmelden.

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Author: Oliver Prosenbauer

Oliver Prosenbauer ist Herausgeber des Lifestylemagazins D15TRICT und Eigentümer einer Werbe- und Event-Agentur. Als Genussmensch verbindet er gerne sein Know How als Marketing-Berater und seine Leidenschaft für den guten Geschmack.

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