Interview mit Alex Kristan und Georg Nigl

AK_web-058Der Kabarettist und der Haurer-Rebell! Die beiden kennen sich seit ihrer Jugend und standen DISTRICT gemeinsam Rede und Antwort. Über ihre gemeinsame Jugend im Bezirk Mödling, besondere Weinherstellungsmethoden, moderne Medien und einen Wein namens Orange!

 

D: Wie kennt ihr euch eigentlich? Aus der Schule?

 

K: Nein! Eigentlich vom Fortgehen! Damals waren der Kursalon, Toms Bar und das Zick Zack angesagt. Da haben wir uns kennen gelernt.

 

D: Alex, Stichwort Schule?

 

K: Ja war ich auch mal. Das war meine erste Tournee! Habe mir damals gedacht, ich schau mir mal ein paar Schulen an, bevor ich an einer sesshaft werde. Also die Tour war dann: Volksschule Mödling, Gymnasium Kalksburg und dann kurz HTL in Wien. Letztendlich habe ich aber dann eine Lehre zum Einzelhandelskaufman gemacht und die Werbeakademie sowie eine Sprecherausbildung absolviert. Nach einigen Jahren als Brand Manager in der Automobilbranche, erhielt ich ein verlockendes Angebot journalistisch in der Formel 1 zu arbeiten. Das war eine unglaublich spannende und sehr reiseintensive Zeit.

 

D: Hast du dir in dieser Zeit die Stimmen-Parodien angeeignet?

 

K: Das Talent ist eigentlich schon in der Jugend aufgekommen. Zuerst hab ich in der Schule meine Mitschüler mit Parodien diverser Lehrer unterhalten und später dann so mit 16 oder 17 im Freundeskreis. Da war überhaupt noch keine Idee davon das einmal beruflich zu machen. Irgendwann hab ich dann bemerkt, dass sehr oft das Feeback kommt, „an dir ist ein Komiker verlorengegangen“ und 2002 habe ich dann endlich den Schritt gewagt. Sowas ist aber nicht zu planen, ich denke es gibt keinen Kollegen, der als erklärtes Berufsziel „Kabarettist“ gehabt hätte. Die Berufung findet einen, denke ich.

 

D: Wie hast du damals diese Stimmenparodien geübt? Schon mit Youtube?

 

K: Naja damals hieß das youtube noch FS 1 und FS 2. Das war überhaupt eine sehr unschuldige Zeit. Viele sagen es war besser. Aber es war einfach anders. Man hat offline gelebt und es ist sich auch alles ausgegangen. Man hat sich was ausgemacht und war dann halt dort. What’s App, Facebook und Instagram machen das heutige Leben vernetzter aber auch wesentlich unverbindlicher.

Für mich war es damals eine super Zeit, weil alles nicht so überreguliert war wie heute. Der Mensch funktioniert ja grundsätzlich sehr gut und je mehr Regulative es gibt, umso weniger eigenverantwortlich wird man und desto weniger ist man gezwungen selbst zu denken. Für mich ist es immer eine Frage in wie weit ich mich von diesen elektronischen und sozialen Netzwerken vereinnahmen lasse. Man kann es nutzen oder sich eben benutzen lassen.

 

D: Also nützt du Social Media gar nicht?

 

K: Doch! Als Marketing Plattform ist es genial! Gefährlich wird’s nur wenn du in eine Abhängigkeit rein kommst. Wenn ich das oft im Urlaub beobachte, wenn bspw. eine Gruppe Kinder anstatt herumzutoben in ihren Smartphones versunken ist, dann macht mich das nachdenklich. Aber das ist eben eine andere Generation und man darf da nicht zu sentimental in seiner eigenen Vergangenheit leben. Weil es ist einfach 2016. Den Kindern ein Smartphone generell zu verbieten halte ich für falsch, aber wenn sies mit 10 Jahren bekommen, wird’s auch reichen. Man darf auch nicht vergessen, dass Kinder in dem Alter noch sehr unbedarft an das Thema Internet herangehen. Ich halte Prävention und Sensibilisierung hier für sehr wichtig.

 

D: Gibt es eine Lieblingsfigur, die du am liebsten parodierst?

 

K: Naja Lieblingsfigur in dem Sinn gibt es nicht, aber Niki Lauda zum Beispiel bietet natürlich aufgrund seiner medialen Präsenz und seines Charismas ideale Voraussetzung für eine Parodie und ich bin natürlich mit Heinz Prüller im TV aufgewachsen: „Grüß Gott und herzlich willkommen hier aus Long Beach“ (Imitiert Heinz Prüller) Das hat sich in der Rinde eingebrannt. Dann durch mein journalistisches Engagement in der Formel 1 habe ich die Leute dann auch kennen gelernt. Der Niki Lauda war sogar bei der Premiere meines Soloprogramms „Heimvorteil“ dabei und hat sich köstlich unterhalten. Das ist wie ein Ritterschlag für mich.

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D: Gibt es Charaktere die schwierig bis gar nicht parodierbar sind?

 

K: Politiker! Die sind darauf geschult, möglichst rundgelutscht aufzutreten um nur ja keine Wählerstimme zu vergraulen. Da fehlts bei den meisten an Charisma, an Ecken und Kanten, die einen aber wieder greifbar und vielleicht sogar auch angreifbar machen. Ich glaube, die Menschen würden klare Ansagen – auch wenn sie unbequem sind- und Wahrhaftigkeit höher schätzen als dieses unerträgliche Phrasengedresche und Herumgeeiere.

 

D: Du bist auch schon in Perchtoldsdorf und Brunn aufgetreten. Wie spielt es sich vor Heimpublikum? Ist das ein anderes Gefühl?

 

K: Du hast viele Freunde und Bekannte im Publikum. Und bei mir ist es immer so wenn ich diese dann nach der Vorstellung frage: „Wie hats euch gefallen?“, sagen sie immer: „Ja war eh ok.“ Ich frage dann immer: „Was meinst du mit eh OK?“ Und meine Freunde sagen dann: „Naja du bist immer so. Wir kennen dich ja nicht anders.“

Viele Gags in meinem Programm sind auch aus solchen Freundesrunden entstanden. Aus lustigen Abenden, wo eben „die Wuchtl grennt“ ist. Ich funktioniere da generell wie ein Seismograph, beobachte viel, reagiere und speichere ab um es dann humoristisch auf der Bühne zu verabeiten.

 

D: Georg, wie war das früher? Habt ihr den Alex nicht öfter mit Scherzanrufen vorgeschickt und euch von ihm unterhalten lassen?

 

G: Ja das ist schon öfters vorgekommen.

 

D: Gibt’s eine konkrete Geschichte mit Georg in deinem Programm?

 

K: Nein, weil ich will ja hie und da einen Wein von ihm und das stell ich es mir lieber gut mit ihm. Lieber den Lauda durch den Kakao ziehen als den Georg Nigl. Aber hier im Weingut sind schon auch an vielen lustigen Abenden ein paar gute Gags entstanden.

 

D: Musst du oft selber über dich und deine Witze während einer Vorstellung lachen?

 

K: Nein, das nicht, aber wenn jemand im Publikum einen besonders auffälligen Lacher hat, kommt es schon vor, dass mich das ansteckt und ich mitlachen muss.

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D: Was machst du, wenn du mal einen Hänger hast?

 

K: Entweder überspielen oder bewusst darauf eingehen. Ich mach das auch gerne bei mir im Programm wenn jemand auf die Toilette geht, dann mach ich eine Pause und warte bis er wieder zurück kommt. Währenddessen rede ich mit seiner Begleitung. Ich frage dann: „Wie lange geht der üblicherweise auf die Toilette und wie oft,…? Gibt’s da Erfahrungswerte?“ Ich erfrage dann auch wie derjenige heißt und begrüße ihn dann wenn er vom WC kommt vor allen Leuten mit seinem Namen. Das geht dann richtig die Post ab im Saal.

 

D: Also merke: Bei Alex’ Programmen nie auf die Toilette gehen!

 

K: Ja, aber ich denke mir immer: Der hat auch für die Karte gezahlt und wieso sollen dem 5 Minuten vom Programm fehlen.

 

D: Du fährst heuer auch beim 3. Perchtoldsdorfer Vespa-Treffen mit? Georg Nigl ist ja eine der Initiatoren dieses Treffens.

 

K: Ja deswegen fahre ich mit und freue mich schon sehr auf diesen Tag.

 

G: Das wird ein super Ausflug, wirst sehen! Das ist schon ein tolles Gefühl mit 500 anderen Vespa-Fans durch Perchtoldsdorf und auch durch die Mödlinger Fußgängerzone zu fahren. Und nebenbei hat man nicht nur einen schönen Tag, sondern tut auch etwas Gutes, weil wir einen Teil der Startgebühr an die Dorfgemeinschaft Breitenfurt spenden. Zu der wir übrigens auch fahren. Am Abend gibt’s dann noch ein Live-Act mit der Cow-Hill-Gang vor meiner Weinhalle in der Vierbatz-Straße. Und oben drein gibt’s noch drei Vespas für den Sommer 2016 zu gewinnen.

 

D: Wie ist die Idee zu einem Vespatreffen entstanden?

 

G: Wir wollten beim ersten Mal eigentlich nur einen Ausflug in der Freundesrunde machen und haben es mal auf Facebook verlautbart. Und plötzlich waren dann doch sehr viele Leute am Marktplatz und sind mitgefahren. Und über die Jahre sind wir dann immer mehr geworden und ziehen es nun immer professioneller auf.

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D: Alex, die Vespa hat dich seit deiner Jugend nicht losgelassen?

 

K: Ich bin lange nicht gefahren, aber für Kurzstrecken hier im Bezirk lasse ich das Auto lieber stehen und nehm die Vespa. Schon allein wegen der mühsamen Parkplatzsucherei.

 

D: Warum immer Vespa? Was ist das Besondere dran?

 

K: Eine Vespa ist ein Lebensgefühl und auch sowas wie eine Zeitmaschine. Wie sie klingt und wie sie riecht und fährt… ich fühl mich wie damals mit 16. Ich kann dem italienischen Lebensstil aber generell recht viel abgewinnen.

 

D: Georg, du hast zum ersten Mal einen Orange- Wein gemacht! Du bist ja ein Haurer-Rebell. Was machst du anders?

 

G: Ich war schon, genau wie der Alex, in meiner Jugend ein bisschen anders. Und hab immer geschaut etwas anders zu machen. In meinen Glanzzeiten habe ich dann 3.000 Weine im Jahr gekostet und durch dieses breite Wissen habe ich dann meinen eigenen Weg eingeschlagen.

 

Dabei ist mir wichtig immer auf die autarke Ausdrucksart zu schauen, auf das was hier wächst. Ich brauche nicht einen Geschmack von wo anders kopieren. Ich finde die Natur gibt uns etwas vor und ich schaue das jedes Jahr bestmöglich als Wein umzusetzen.

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D: Du machst jetzt auch sogenannte Naturweine und Orangeweine?

 

G: Meine Leidenschaft war immer der Rotwein und mein Wunsch war es diesen sehr groß auszubauen. Seit 2006 beschäftige ich mich aber auch mit Spontangärung bei Weißweinen. Und heuer haben wir zum ersten Mal 100%maischevergorenen Wein auf die Flasche gefüllt. Was ich eigentlich bei meinen Lagenweißen eh auch schon mache aber eben nicht zu 100%.

 

D: Und das ist dann ein sogenannter Orange-Wein?

 

G: Ja die Farbe sagt das schon aus. Weißwein wird wie Rotwein gemacht und auf der Maische vergorenen um so das Traubentannin aus den Schalen auszulaugen und dadurch die Komplexität in den Wein hinein zu kriegen. Dieser Wein wird dann ungefiltert und ungeschwefelt auf die Flasche gefüllt. Also Natur pur!

 

D: Ist Orange-Wein bzw. die Mach-Art nicht gerade nur eine Trenderscheinung?

 

G: Diese Weinmach-Methode ist eigentlich der Ursprung des Wein-Machens! Damals haben die Ägypter in Tonamphoren Trauben gefühlt und das hat dann irgendwann zum Gären begonnen. Die wollten das eigentlich zur Versorgung bzw. Lagerung machen aber durch den Zucker ist dann plötzlich der Alkohol entstanden und dann wurden auch schon damals lustige Parties gefeiert.

 

K: Gratuliere Georg! Der Orange-Weins schmeckt super! Niki Lauda würde sagen: „Mit dem bist du definitiv in der Poleposition!“

 

Mehr Infos: www.alexkristan.at und www.nigl.com

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Author: Oliver Prosenbauer

Oliver Prosenbauer ist Herausgeber des Lifestylemagazins D15TRICT und Eigentümer einer Werbe- und Event-Agentur. Als Genussmensch verbindet er gerne sein Know How als Marketing-Berater und seine Leidenschaft für den guten Geschmack.

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