Fifi Pissecker im Interview: Jeder der einen Witz erzählen kann meint er sei Kabarettist

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Wolfgang „Fifi“ Pissecker in einem sehr persönlichen Interview über 30 Jahre Kabarett und Schauspieler-Karriere, über seine Liebe zu Perchtoldsdorf und sein aktuelles Geburtstagsprogramm „Fifi-Fifty“.

 

Wir treffen Fifi Pissecker im wunderschönen Gastgarten des Restaurants Alexander am Perchtoldsdorfer Marktplatz wo Fifi kein Unbekannter ist und von fast jedem Gast dort begrüßt wird. Nach einem gemeinsamen Kaffee erklimmen wir das Wahrzeichen von Perchtoldsdorf – den Wehrturm – wo Fifi uns mit dem Blick über seine Heimat sehr persönlich aus seinem Leben erzählt und warum er Perchtoldsdorf nur einmal für längere Zeit verlassen hat um alleine den Jakobsweg zu gehen.

 

Du wohnst schon dein ganzes Leben in Perchtoldsdorf im Bezirk Mödling. Hier hat auch deine Karriere gestartet. Wie, wann und wo war das?

 

Ja, das war 1981 im Gymnasium Keimgasse in Mödling. Dort haben wir vor über 30 Jahren die Kabarettgruppe „Die Hektiker“ mit Werner Sobotka, Mini Bydlinski und Florian Scheuba gegründet. Bei der Schülerakademie, die es übrigens noch heute gibt, haben wir uns zusammengefunden und ein Kabarett aufgeführt. Einige meinten damals, es sei schade wenn das nur einmal aufgeführt wird. Worauf hin ich dann einige Locations angerufen habe…und ja so ist es dann los gegangen und wir haben in einigen Jugendzentren in Wien gespielt. Mittlerweile gibt’s uns mit Viktor Gernot immer noch und wir planen für nächstes Jahr ein neues Programm zum 35jährigen Jubiläum.

 

In deinen 50 Jahren bist du aus Perchtoldsdorf nur ein einziges Mal für längere Zeit weg gegangen – für den Jakobsweg. Warum nie länger?

 

Es hat sich familiär ergeben, dass ich nur einmal in meinem Leben übersiedelt bin und zwar in Perchtoldsdorf in der selben Gase von Nummer 4 auf 6. Perchtoldsdorf ist für mich einer der schönsten Plätze der Welt. Ich bin viel herumgekommen, aber nirgends ist es so toll wie hier. Ich schätze wahnsinnig, dass ich das Glück habe in diesem Ort, in diesem Bezirk und natürlich weiterdenkend in diesem Land wohnen zu dürfen. Du bist schnell in der Stadt und genauso schnell im Grünen, was mit zunehmenden Alter immer wichtiger wird.

 

 

Du hast dein Programm „Fifi Fity“ zweimal in Perchtoldsdorf in einem ausverkauften Burgsaal gespielt. Wie war das für dich in deinem Heimatort zu spielen?

 

Ich habe zweimal im vollen Burgsaal gespielt – was nicht vielen Leuten gelingt. Das kommt daher, dass ich viel im Ort unterwegs bin, viel präsent bin. Das merken die Leute und wissen das zu schätzen, was mich wiederum sehr freut. Gerade bei diesem Überangebot heutzutage. Du hast allein in Wien jeden Tag 30 Kabarett-Aufführungen. Da freut man sich schon sehr, wenn sich das Publikum dann für dich entscheidet.

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Wie hat sich aus deiner Sicht die Kabarett und Schauspiel-Szene in den 30 Jahren seid du dabei bist verändert?

 

Es ist extrem viel geworden. Teilweise zu viel. Darunter leidet auch die Qualität. Jeder der einen Witz erzählen kann, stellt sich heute auf eine Bühne und meint er sei Kabarettist. Der Kuchen wird kleiner und man muss stärker darauf achten auch dauerhafte Medienpräsenz zu haben. Da kommst du natürlich an einem ORF nicht vorbei. Ohne Massenmedium wird’s schwer eine breite Bekanntheit zu bekommen.

 

Erzähl uns ein bisschen über dein aktuelles und neues Programm. Wie kam es dazu und worum geht es?

 

Durch eine Blödelei und ein Schlagwort. Ich bin nicht so einer der sich hinsetzt und zu konstruieren anfängt. Ich brauch ein Schlagwort und dann seh ich schon Bilder und weiß in welche Richtung ich gehen muss. Bei mir kommt viel aus der Emotion heraus. Mir ist dann dieses Wortspiel „Fify-Fity“ eingefallen. Dann ging’s schon los mit dem Programm, in dem die Besucher am Anfang „Happy Birthday“ singen müssen, ich Gäste ankündige und eine Live-Schaltung mit dem ORF ankündige und von alldem passiert natürlich im Laufe des Abends nichts. Es ist ein sehr lustiges und unterhaltsames Programm. Ich erzähl auch den Wandel von analog auf digital. Nicht nur technisch sondern auch menschlich und im Sozialen. Am Schluss wird es sehr persönlich und fast intim, wenn ich über mein Leben die letzten 50 Jahre reflektiere und erkläre warum ich das Ganze mache… Und das ich eigentlich nichts Anderes machen möchte.

 

Verrätst du uns warum du diesen Beruf gerne machst?

 

 Die Digitalisierung hat das Leben unheimlich schnelllebig und unverbindlich gemacht. Alles verroht und verraut zunehmend. Das sind Bestrebungen gegen die man ankämpfen muss. Und das mache ich, indem ich es anspreche. Das ist ein unheimlicher Luxus an meinem Beruf, dass man alles was einen stört, auch sagen kann. Das ist eine unheimliche Lebensqualität für mich.

Aber es ist auch die Vielfalt und dass ich an unheimlich viele Plätze gekommen bin und viele interessante Menschen kenn gelernt habe. Das hätte ich wahrscheinlich in einem Bürojob nicht erlebt. Das wäre vielleicht sicherer gewesen und ich hätte mehr Geld verdient, aber die Lebenserfahrung, das Abenteuer hätte ich dann nicht gehabt.

 

Gibt’s aus deiner Sicht ein Erfolgsrezept für diese Lebensqualität? Das ist sicherlich der Wunsch vieler so zu leben?

Ich kann nur jedem Raten „Halte den Ball flach“. Ich hab nie über meine Verhältnisse gelebt. Umgekehrt hat es mir auch nie an etwas gefehlt. Ich versuche mit wenig gut auszukommen. Mir hat der Jakobsweg gelehrt, dass ich alles was ich Zuhause habe in einen Rucksack stecken kann und wunderbar damit 6 Wochen durchkomme. Je mehr du hast, desto mehr hat es dich. Ich brauch kein Boot in Kroatien, oder Seehaus irgendwo. Das interessiert mich nicht.

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Die obligatorische Abschlussfrage die man hier in Perchtoldsdorf stellen muss. Welcher ist dein Lieblingsheurigen?

 

Das ist ganz klar der Sommerheurige von Kurt Prögelhöf, weil er einfach von der Lage einzigartig ist.

 

Danke für das Interview und viel Erfolg weiterhin!

Mehr Infos und alle Termine gibts auf www.pissecker.com

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Author: Oliver Prosenbauer

Oliver Prosenbauer ist Herausgeber des Lifestylemagazins D15TRICT und Eigentümer einer Werbe- und Event-Agentur. Als Genussmensch verbindet er gerne sein Know How als Marketing-Berater und seine Leidenschaft für den guten Geschmack.

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